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Kommunikation - 30. October 2013

Das duale Studium - Karrierechance oder Freizeitkiller?

by Luca Gallo und Philip Leitzke
Viele Abiturienten beginnen heutzutage nach dem Verlassen ihrer Schule ein Studium. Ein Weg, der dabei immer populärer wird, ist das duale Studium. Schließlich sprechen viele Gründe dafür – Hochschulabschluss, zusätzlich aber drei Jahre Berufserfahrung, ein Gehalt und jede Menge Praxiswissen. Doch einen Haken gibt es immer. Was muss man in Kauf nehmen für diese respektablen Mehrwerte? Zahlt es sich aus? Und was springt für das Unternehmen dabei raus? Als duale Studenten haben wir uns mit diesen Fragen schon seit längerer Zeit befasst und möchten in unserem Blogbeitrag die Vor- und Nachteilen für beide Seiten vorstellen.
 

Praxiswissen vs. Freizeit: über Vor- und Nachteile für Studenten

Der offensichtlichste Vorteil für Studenten ist die Verzahnung von Theorie und Praxis. Man lernt mit jedem Tag, an dem man arbeitet, das erlangte Wissen aus den Vorlesungen auch im Berufsalltag zu nutzen. Umgekehrt profitiert man davon, dass es im Berufsleben keinen Vorlesungsplan gibt. Das heißt, man lernt in seinem ersten Berufsjahr eventuell Dinge, die man erst im 5. Semester im Studium lernen würde. Oder die Erfahrungen aus dem Berufsalltag helfen dabei, ein theoretisches Thema im Studium schneller zu begreifen. Außerdem hat es den Effekt, dass man nach seinem Abschluss keinen „Praxisschock“ erleidet, wenn man in den Berufsalltag einsteigt.

In den meisten Fällen absolvieren die Studenten neben dem Studium eine Ausbildung im Unternehmen. Man erlangt in der Zeit, die man sonst entweder für das Studium ODER für die Ausbildung benötigen würde, direkt zwei Abschlüsse. Ein Punkt, von dem natürlich auch die Unternehmen profitieren. Als Boni kommen das monatliche Gehalt und die Tatsache dazu, dass man bei einem Unternehmen schon einen Fuß in der Tür hat. Schließlich hatte man drei Jahre Zeit, sich im Unternehmen zu profilieren.

Trotz der vielen Vorteile gibt es natürlich auch Nachteile. „Der duale Student hat viel weniger Freizeit als der Otto-Normalstudent" heißt es oft. Das ist auch so. Punkt. Den dualen Studenten erwarten in der Praxisphase 40 Wochenstunden, in der Theoriephase meist noch längere Vorlesungswochen. Oft muss man neben dem Beruf dann auch noch lernen oder Fallstudien und ähnliches für das Studium anfertigen. Von Freizeit ist dann nicht mehr viel zu sehen. Das wissen die Unternehmen in der Regel aber auch. So lässt sich durchaus ein Konsens zwischen Unternehmen und Studenten für besonders anstrengende Phasen finden. Beispielsweise durch einen Home Office-Tag. Ein weiterer Nachteil ist, dass man nur ein Unternehmen kennenlernt und keine Möglichkeit hat, auch andere Firmen durch Praktika kennenzulernen.

Gut für Unternehmen: dem Fachkräftemangel ein Schnippchen schlagen

Unternehmen können dem Fachkräftemangel mit einer langfristig angelegten Personalentwicklungsstrategie direkt entgegenwirken.Durch die Einstellung dualer Studenten erhalten sie hoch qualifizierte und akademisch ausgebildete Arbeitskräfte mit Praxiserfahrung. Durch die enge Bindung an das Unternehmen und die erfolgreiche Übernahme nach dem Studium sind diese dann hoch motiviert und benötigen keine weitere Einarbeitungszeit. Außerdem entsteht durch die Kooperation mit einer Hochschule ein Netzwerk mit Synergieeffekten wie Wissens- und Technologietransfer und die Unternehmen können ihre Sichtbarkeit und Attraktivität für künftige Bewerber erhöhen. Eine moderne Personalentwicklung zahlt sich also aus.

Nachteile gibt es trotzdem. Als Unternehmen beschäftigt man mit dualen Studenten Mitarbeiter, die natürlich auch Geld kosten und die nicht das ganze Jahr über zur Verfügung stehen. Außerdem müssen auch Mitarbeiter damit beauftragt werden, sich um die Studenten zu kümmern, sie auszubilden und sie zu fördern und zu fordern. Besteht der Praxisteil nur aus Kaffee kochen und Unterlagen kopieren, profitiert schließlich niemand davon – weder Student noch Unternehmen.

Unser Fazit als duale Studenten: wir würden es wieder tun

Müssten wir die Entscheidung für oder gegen ein duales Studium noch einmal treffen, sie würde nicht anders ausfallen. Als dualer Student wird oft viel von einem abverlangt, man verzichtet auf viel Freizeit und arbeitet oder lernt stattdessen. Allerdings heißt dual zu studieren nicht gleich, dass man jegliches Privatleben aufgeben muss. Man muss nur die Balance finden zwischen Studium bzw. Arbeit und Freizeit. Und letztendlich wird man mit jedem Semester effizienter und die Dinge gehen leichter von der Hand, was auch auf der Arbeit durchaus nützlich sein kann. Die Lernkurve während des Studiums ist allgemein sehr steil und am Ende steht man als praxiserfahrener Mitarbeiter mit grundsolidem theoretischem Background da. Und genau darum geht es ja.     

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