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Kommunikation - 16. October 2013

Lehrerfortbildung - ein Erfolgsmodell

by Konstantin Stergiopoulos
Beruflich wie privat nutze ich - wie viele von Ihnen ebenfalls - mittlerweile recht intensiv soziale Medien. Facebook, Google+, Twitter, Xing, LinkedIn, Pinterest und Tumblr sind nur eine kleine Auswahl aus der mittlerweile schier unendlichen Zahl von innovativen internetbasierten Anwendungen, die Interaktion zwischen den Usern als zentrales Merkmal aufweisen. Dies spiegelt einen bedeutsamen Trend in unserer Gesellschaft wider: Wir entwickeln uns zu einer digitalen Gesellschaft. Inzwischen ist eine ganze Generation von sogenannten Digital Natives herangewachsen - junge Erwachsene, die eine Welt ohne Internet nie kennengelernt haben und für die die Nutzung digitaler Medien ein selbstverständlicher Bestandteil Ihres Lebens ist. Was aber passiert mit den so genannten Digital Migrants - Menschen also, die noch ohne Internet groß geworden sind? Oder mit den Verweigerern dieser Entwicklung?
 
Meine Beobachtungen zeigen: ganz offensichtlich hat sich eine Schere geöffnet zwischen denjenigen, die die neuen Medien intensiv nutzen und denjenigen, die diese kaum oder gar nicht anwenden und verstehen. Auch bei meinen Hochschulaktivitäten habe ich beobachtet, dass diese Diskrepanz ganz besonders in einem Lebensbereich zum Vorschein tritt: an Schulen und Universitäten. Auf der einen Seite repräsentieren die Lernenden (Schülerinnen und Schüler (SuS) bzw. die Studierenden) die Gruppe der Digital Natives. Auf der anderen Seite gehören die Lehrenden zu einem beträchtlichen Anteil zu den Verweigerern der neuen Medien.

Dass dieses "Auseinanderdriften" zu Problemen an Schulen und Universitäten führt, liegt auf der Hand. Wenn Lehrerinnen und Lehrer die neuen Medien nicht kennen oder sogar ablehnen, wie können sie den SuS dann wichtige Hinweise zum Umgang geben. Raubkopieren, Plagiieren, Cyber Mobbing, Aufweichen der Privatsphäre - alles negative Phänomene, zu denen die Lehrenden Stellung beziehen und beraten sollten.

Mit dem Ziel, diese beiden Gruppen wieder näher zueinander zu führen und das Verständnis für die jeweils andere Seite zu fördern, habe ich mich im Rahmen der Stiftung für Lehrerfortbildung i.Gr. als Dozent engagiert. Was wir genau getan und welche Erfahrungen wir dabei gewonnen haben, berichte ich in diesem Blogbeitrag.

Der Hintergrund

Durch die Mitgliedschaft im Stifterverband der deutschen Wissenschaft war das Thema “Bildungsinitiative” bei uns bereits sehr präsent. Der Stifterverband hat eine auf mehrere Jahre angelegte Bildungsinitiative ins Leben gerufen und will damit der Debatte um eine bessere Bildung in Deutschland mehr Richtung und Substanz geben. Dazu hat er erstmals zentrale Handlungsfelder identifiziert und quantitative Bildungsziele für den Hochschulbereich im Jahr 2020 formuliert. Eines dieser Handlungsfelder ist die Lehrerbildung.

Das Projekt

Nachdem wir Anfang des Jahres unser Projekt an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg (HS BRS) erfolgreich abgeschlossen hatten, haben wir Anfang Juli ein weiteres Praxisprojekt durchgeführt. Diesmal nicht an einer Hochschule, sondern an einem Gymnasium. Die Idee: Lehrerinnen und Lehrern den Umgang mit neuen digitalen Medien näher zu bringen.

Wir bei Imperia haben uns vorgenommen, unser Wissen und unsere Erfahrungen im Umgang mit neuen digitalen Medien an Lehrerinnen und Lehrer weiterzugeben. Am Gymnasium in Bad Laasphe ergab sich die Möglichkeit zu einem Pilotprojekt. In intensiven Gesprächen mit der Mediengruppe des Gymnasiums haben wir gemeinsam mit unseren Projektpartnern Friedrich Fuß und Norbert Hofstetter die Anforderungen des Kollegiums an eine Lehrerfortbildung zum Thema “Nutzung sozialer Netzwerke” herausgearbeitet. Die daraus entsprungene Agenda für eine halbtägige Fortbildungsveranstaltung haben wir dem Direktor des Gymnasiums im Herbst 2012 vor Ort präsentiert. Noch vor Weihnachten wurde dann im Rahmen einer Schulkonferenz die Fortbildung genehmigt und für Anfang Juli 2013 anberaumt.

In den Gesprächen mit dem Kollegium bestätigte sich unsere Annahme: die Kluft zwischen Lehrern und Schülern im Hinblick auf den Umgang mit sozialen Medien ist enorm. Etwa zwei Drittel des Kollegiums kennt keinerlei Social Media-Plattformen und kennt sich daher auch nicht mit deren Nutzung aus. Auf der anderen Seite richten sich die Schülerinnen und Schüler mittlerweile in ganz beträchtlichem Umfang in den virtuellen Welten ein. Insofern war ein erklärtes Ziel der Fortbildung, die Lehrerinnen und Lehrer für die sozialen Medien zu sensibilisieren und ihnen die Scheu vor dem Umgang damit zu nehmen.

Neue Medien haben hohe Relevanz im Schulalltag

Eine Schule wie das Gymnasium Bad Laashphe ist gezwungen, sich mit neuen Medien auseinanderzusetzen. Die Schüler und Schülerinnen tragen die neuen Medien in den Schulalltag. Die Schule hat praktisch keine Wahlfreiheit. Konkret gab es in der Vergangenheit verschiedene Vorfälle, die die Auseinandersetzung mit dem Thema forcierten. So wurden sowohl Lehrer als auch Schüler beispielsweise durch nicht autorisierte Veröffentlichungen von Videos kompromittiert. Auch wurden gefälschte Emails in fremdem Namen an die Schule versendet. Damit bestand für das Kollegium die dringende Notwendigkeit, sich mit dem Einsatz neuer Medien auseinanderzusetzen und ein gemeinsames Verständnis zum Umgang mit diesem Thema zu entwickeln.

Erste Voraussetzung für ein Verständnis ist das Kennenlernen der Möglichkeiten. In vorbereitenden Gesprächen und Diskussionen mit einem Teil des Kollegiums wurde schnell Folgendes klar: In Bezug auf neue Medien ist eine starke Verunsicherung des Kollegiums zu spüren. Ein Großteil ist nicht vertraut mit den Möglichkeiten und Grenzen der sozialen Kanäle im Web. Es wurde diskutiert, wie und warum die neuen Medien relevant sind und wie im Unterricht mit neuen Medien im Web umzugehen ist. Punkte waren dabei u.a.
  • Notwendigkeit zur Nutzung neuer Medien (Schule nutzt Facebook, der Wunsch nach aktiver Nutzung durch das gesamte Kollegium wurde adressiert)
  • Schüler und Schülerinnen begehen Rechtsverstöße (Urheberrecht, Persönlichkeitsrecht (Cyber Mobbing)
  • Gesellschaftlicher Trend zur Digitalisierung

Unser Vorgehen

Gemeinsam mit Norbert Hofstetter und Ali Saffari (Geschäftsführer des Internet-Startups Reputami) ging es also Anfang Juli nach Bad Laasphe. Teilnehmer der Fortbildung war das gesamte Kollegium mit über 60 Lehrerinnen und Lehrern. Nach einer kurzen Einleitung zur Stiftung und zur Motivation der Fortbildung gab es zunächst eine Einführung in das Thema. Für die Mehrzahl der Anwesenden war dabei allein schon wichtig, die populärsten sozialen Netzwerke im Überblick kennenzulernen.

Dabei wurden typische Prinzipien, die den meisten sozialen Netzwerken gemein sind, herausgearbeitet wie Activity Streams, Friends, Follower, Likes und Mobile Services. Diese illustrierten wir anhand konkreter Beispiele mit vielen Screenshots, so dass die Wirkungsweise verständlicher wurde - für viele der Anwesenden ein echter Mehrwert.

Noch lebendiger wurde die Einführung durch plakative Beispiele, die zeigten, welche unangenehmen Folgen die falsche Nutzung haben kann: Wieso ist es nicht geschickt, private Nachrichten auf einer öffentlichen Pinwand zu hinterlassen? Wieso sollte man Kritik an seinem Chef nicht in Form von Twitter-Post äußern?

Anschließend wurde das Kollegium in zwei Gruppen aufgeteilt: die eine Gruppe bekam eine Einführung in das Thema Cybermobbing, der zweiten Gruppe wurde an einem Live-System gezeigt, welche Daten im Internet frei verfügbar sind und wie Unternehmen diese persönlichen Daten zu Ihren Zwecken nutzen. Dazu stellte Ali Saffari das Backend von reputami.com vor und erläuterte, wie detailliert man einzelne Kommentare zu Unternehmen zurückverfolgen kann, wie man die Autoren der Kommentare identifiziert und mannigfaltige persönliche Informationen auf Knopfdruck verfügbar macht. Den Lehrerinnen und Lehrern wurde sehr schnell bewusst, dass jeder, der soziale Netzwerke nutzt, mehr von sich preisgibt, als sie vermutet hätten. Die sich aus der Live Demo ergebende Diskussion war sehr intensiv und kontrovers. Dabei reichte das Spektrum von totaler Ablehnung bis hin zu der Aussage, man habe doch nichts zu verbergen.

Nachdem beiden Gruppen auch das jeweils andere Thema vorgestellt wurde, gab es eine gemeinsame, abschließende Diskussionsrunde, in der das Kollegium klar zum Ausdruck brachte, wie umfangreich ihre neugewonnenen Erkenntnisse waren und wie sie diese in der Praxis anwenden werden.

Mein Fazit

Das überwiegend positive Feedback des Kollegiums und die Bitte, diese Fortbildung weiterzuführen, haben uns darin bestärkt, dass diese Form von Aufklärung an Schulen dringend benötigt wird. Unser Ziel, diesen Themen am Gymnasium Bad Laasphe mehr Aufmerksamkeit zu verleihen, haben wir erreicht.

Durch die Gespräche mit uns als Experten hat das Lehrer-Kollegium Sicherheit im Umgang mit den neuen Medien gewonnen. Wir planen, ein Programm zur kontinuierlichen Weiterbildung aufzusetzen, so dass das Kollegium kontinuierlich das Wissen um die verantwortungsvolle Nutzung sozialer Medien weiterentwickelt und an die Schüler und Schülerinnen weitergibt. So bewegen sich die Lehrer auf Augenhöhe mit ihnen und beide Seiten lernen wechselseitig voneinander.     

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